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Molekulare Werkzeuge für bahnbrechende Entdeckungen

DiG sprach mit Dr. Thomas Möllenkamp, Geschäftsführer von New England Biolabs GmbH.

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Foto: VDGH

Was macht Ihr Unternehmen besonders?

Zum einen dürfen wir uns sicher als einen wahren „Dino“ der Biotech-Szene bezeichnen. Unsere Anfänge liegen bereits in den frühen 1970er Jahren, als wir, als eine der ersten Firmen überhaupt, Enzyme für die DNA- und RNA-Manipulation kommerziell verfügbar gemacht haben. NEB ist somit ein Gründungsmitglied der Biotechnologie.

Zum anderen ist es sicher unsere besondere Firmenphilosophie: Wir sind seit über 40 Jahren ein privates Forschungsunternehmen mit einem Schwerpunkt in der „Non-Profit“-Grundlagenforschung. Die Untersuchung von molekularen Grundlagen der Humanparasitologie ist hier ein gutes Beispiel. Die Liebe zur Forschung drückt sich auch in unseren Strukturen aus, denn mit unserem CSO Sir Richard Roberts haben wir einen renommierten Nobelpreisträger mit am Steuer, der die Forschungsausrichtung der Firma entscheidend prägt. Unsere Non-Profit-Forschung finanzieren wir dabei durch Entwicklung, Herstellung und Verkauf unserer Reagenzien.

Welchen Beitrag leistet NEB für die Forschung und wo ist NEB auch Wegbereiter für die Diagnostik?

Der Einfluss unserer Firma und unserer Produkte war und ist sehr bedeutend für die Forschung, denn NEB stellt die molekularen Werkzeuge her, mit denen dann andere Forscher ihre oftmals bahnbrechenden Entdeckungen machen. Man kann sogar mit Fug und Recht sagen, dass wir mit unseren Produkten die moderne Molekularbiologie und Biotechnologie entscheidend mitgeprägt haben. Beispielsweise ist NEB der Hersteller mit der größten Auswahl an Restriktionsenzymen für DNA-Arbeiten. Auch ist NEB weltweit ein führender Hersteller von Polymerasen für die PCR und hat nicht nur als Erster die Taq-DNA-Polymerase kommerziell angeboten, sondern kurz darauf auch die deutlich genaueren „High-Fidelity“-Polymerasen aus Archaeen entdeckt und marktreif gemacht.

Der Fokus auf die Herstellung rekombinanter Enzyme, d. h. in heterologen Expressionssystemen und nicht die klassische Aufreinigung der Enzyme aus den natürlichen Wirten und Quellen, hat dabei die Qualität sehr hoch und die Kosten für die Molekularbiologie und biotechnologische Anwendungen um Größenordnungen nach unten getrieben. Erst dadurch sind viele der heutigen Biotech-, Diagnostik- und Analyse-Anwendungen technisch skalierbar und gleichzeitig überhaupt finanzierbar geworden.

In welchen Bereichen spielen die Produkte von NEB eine besondere Rolle?

Seit ca. 10 Jahren ist NEB im Bereich der Probenvorbereitung für das Next-Gen-Seq – der modernen Hochdurchsatz-DNA-Sequenzierung – ein sehr bedeutender Akteur. Wir haben hier beispielsweise neuartige und schnellere Workflows entwickelt, die den Einsatz von immer weniger Probenausgangsmaterial ermöglichen. So können Forscher/innen mit unseren Systemen z. B. die RNA einzelner Zellen oder geringste DNA-Mengen aus Patientenbiopsien so bearbeiten, dass eine aussagekräftige und zuverlässige Sequenzierung möglich ist.

Darüber hinaus haben wir jüngst ein enzymatisches DNA-Fragmentierungs- und Vorbereitungssystem eingeführt, dass bereits in führenden Hochdurchsatz-Sequenzierlabors eingesetzt wird. Das Besondere hier ist, dass unser System bei zugleich günstigen Kosten sehr leicht auf Robotern automatisiert werden kann, was wiederum die Kapazität und den Durchsatz dieser Labore deutlich erhöht und somit Prozesse wirtschaftlicher und schneller macht.

Womit beschäftigt sich NEB derzeit?

Unsere langjährige Expertise in der Enzymologie hat es uns ermöglicht, im Feld der mRNA-Synthese maßgeschneiderte Lösungen anzubieten, die in der superaktuellen Forschung und Produktion von mRNA-Therapeutika zum Einsatz kommen. Dieses vielversprechende Feld steht im Moment mit einer Vielzahl klinischer Studien ganz hoch am Erwartungshorizont. Ein weiterer wesentlicher Baustein unserer jüngsten Entwicklungen ist das sog. „Target Enrichment“ für die Next-Gen-Seq-Technologie. Hier haben wir einen einzigartigen Workflow namens „NEBNext Direct“ entwickelt, mit dem Forscher/innen in weniger als einem Tag selbst ausgewählte Gene ganz gezielt aus einer DNA-Probe anreichern und für die Sequenzierung vorbereiten können.

Aber auch im Hot-Spot-Bereich des „Gene Editing“ sind wir mit der CRISPR/Cas-Technologie vertreten. Wir kooperieren auf diesem Gebiet mit dem litauischen Spezialisten Caszymes. Besonders hervorzuheben sind hier unsere vielseitigen, rekombinanten Cas9- und Cas12- Nuklease-Varianten. Und ich kann schon verraten, dass weitere verbesserte Cas-Varianten für die Wissenschaftler bereits in den Startlöchern stehen.

Welche Ziele hat NEB für die Zukunft?

Wir haben jüngst unsere Möglichkeiten und Kapazitäten für maßgeschneiderte, kundenspezifische Lösungen erweitert. In diesem Bereich bieten wir unsere Produkte und unser Know-how in Produktion und Methodenentwicklung in enger Abstimmung mit den Kunden an. Industrie- und andere Projektkunden können so individualisierte Produkte und Lösungen von uns beziehen und direkt in die eigenen Produktions- oder Forschungsabläufe integrieren. Mit der im September in Betrieb gegangenen GMP-zertifizierten Reinstraum-Produktionsstätte können wir hier in Zukunft insbesondere auch unsere Partner in der Diagnostik und der Medikamentenentwicklung noch besser unterstützen.

Ansonsten werden wir sicher unserer Philosophie und Ausrichtung, die uns über die letzten Jahre so erfolgreich gemacht hat, treu bleiben und als privates Forschungsunternehmen weiterhin möglichst viele interessante Paper veröffentlichen und hoffen, damit zur weiteren Entstehung des Wissens in der Biologie beitragen zu können.

Stand: 11/2018